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Tamme Hanken – Knochenbrecher on Tour
Donnerstag, den 28. April 2011 um 14:03 Uhr

 

Tamme Hanken, der Knochenbrecher, ist bereits über die Grenzen der Republik bekannt. Das Medieninteresse ebbt auch nach über 20 Jahren nicht ab.

 

Die Sendung  „XXLOstfriese“ läuft bereits seit Jahren im NDR – jedes Jahr gibt es ein paar neue Folgen. Auch am 01. Mai strahlt der Sender um 20:15 Uhr eine Folge „XXL Ostfriese“ aus. - Zwischenstopp auf dem Reiterhof Echenzell.

 

Nicht nur in seiner Heimat Ostfriesland wird Tamme Hanken Knochenbrecher genannt - das heißt aber nicht, dass er Knochen bricht, er bringt vielmehr die vertretenen, verlegenen und verknacksten Vierbeiner wieder in Tritt. Oft sieht er schon auf den ersten Blick, was dem Tier fehlt. Der Begriff Knochenbrecher ist seit dem Mittelalter bekannt. In Ostfriesland hießen Menschen so, wenn sie die Gabe hatten Menschen sowie Tiere wieder flott zu machen. Sie hatten meistens auch andere heilerische Fähigkeiten. Tamme hat diese Gabe von seinem Großvater geerbt. An der Küste gibt es nicht mehr viele mit diesem Talent.

Kaum ist Tamme auf dem Hof angekommen, widmet er sich ohne lange Umschweife dem Wallach Rivolino. Zuerst ein Blick ins Maul und schon steht fest, dass der Wallach einen Eisenmangel hat: „Die Schleimhäute sind ganz bleich, der braucht Eisen. Aber nicht das teure für Pferde, sondern das für Menschen. Das kostet statt 30 Euro nämlich nur 3.“ Jetzt ging es an den Rücken des Pferdes. Einmal fühlen, tasten, drücken. Und weiter an die Beine. Mit geübtem Griff schließen sich die großen Hände des Knochenbrechers um das linke Hinterbein – nach vorne und beherzt nach hinten. Die Geräusche beim Einrenken gehen bis ins Mark der neugierigen Zuschauer. Ein Knacksen hier und gleich drauf wieder. Jetzt ist auch Veronika Plank, die Besitzerin, gefragt. Einmal vorführen bitte! Im Trab hin und her. Zum Glück ist Rivolino kein lauffaules Pferd. Nun wird auch noch der Sattel auf seinen Sitz überprüft. „Wenn ein Sattel schlecht sitzt, dann gehen zwei Rücken kaputt. Der vom Pferd und der des Reiters.“ Ratschläge und flotte Sprüche sind inklusive. Unter Rivolinos Sattel sollte ein Keilkissen für einen optimalen Sitz. Ein Nachmittag mit Tamme Hanken ist wahrlich ein Erlebnis.

Auf dem Reiterhof Echenzell hatte es Tamme nach Rivolino noch mit drei anderen Pferden zu tun. Ramazzotti, Warkant und Felix bedurften auch einem Check. Die Behandlung läuft meist nach einem ähnlichen Muster ab. Erst der Blick ins Maul und dann Rücken und Beine. „Bei der Behandlung muss man immer das ganze Pferd im Blick haben. Schon die kleinste Reaktion kann für das weitere Vorgehen wichtig sein“, sagt Tamme Hanken. Danach sieht sich der Knochenbrecher auch Sattel und Trense an, um eventuelle Probleme zu erkennen und gibt Tipps, die Abhilfe verschaffen.

Ganz spontan kam auch noch das Ehepaar Eichinger aus Buxheim mit ihrem Samojeden - Rüden Loui vorbei. "Er läuft schon seit letztem Jahr nicht mehr rund. Längere Strecken sind einfach nicht mehr möglich“, erzählt Susanne Eichinger. Beim Spaziergang traf sie einen Bekannten, der ihr vom Besuch des Knochenbrechers auf dem Reiterhof Echenzell erzählte. Familie Eichinger hatte  bereits von Tamme Hanken gehört und auch schon überlegt nach Ostfriesland zum Kochenbrecher zu fahren. Schnell wieder nach Hause und in Echenzell angerufen: „Wir hatten richtig Glück, dass er noch da war“, sagt Susanne Eichinger glücklich. „Der hat einen Kälteschaden“, sind die ersten Worte bei der Behandlung. Danach läuft der Rüde zwar noch nicht ganz sauber aber „er wird sich in den nächsten sieben bis zehn Tagen einlaufen“, so der 2-Meter-6 Mann.

Seit Oktober begleitet der junge Holländer Martijn Kraaaijenveld den Ostfriesen bei der Arbeit. Martijn ist Tammes Lehrling. Er kuckt sich das Können und die Kniffe ab, Theorieunterricht gibt es während den Fahrten im Auto oder Abends im Hotel. An Wochenenden sind die beiden in Tammes Pferde-Reha in Filsum. Sprechstunde jeden Samstag. Vormittags Pferde und Nachmittags alle anderen Tiere. Früher behandelte Tamme auch Menschen, doch es wurde einfach zu viel und so musste die Sprechstunde für Menschen gestrichen werden. Der Hankenhof in Filsum ist zu einer regelrechten Pilgerstätte geworden. „Es war teilweise so schlimm, dass die Feuerwehr für Ordnung sorgen musste“, schmunzelt Knochenbrecher Tamme Hanken. (ch)

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 28. April 2011 um 15:59 Uhr
 
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