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Seit dem letzten großen WM-Kampf gegen Daniel Martins ist es merklich ruhiger geworden um Ingolstadts Top-Kickboxer Johannes Wolf. Im Interview spricht er über seine nächsten Kämpfe, die Wettkampfpausen und seine heimliche Leidenschaft.
Seit dem Kampf im März standen Sie nicht mehr im Ring. Was macht ein Weltmeister in der wettkampflosen Zeit?
„Nicht viel! Urlaub, entspannen und erholen. Ich hatte viel Spaß und habe viel Kraft getankt für den nächsten Kampf.“
Wann wird man Sie wieder im Ring erleben?
„So wie es aussieht, wird dieser am 5. November hier irgendwo in der Region stattfinden. Ich bin derzeit noch in Verhandlung mit den Russen. Ich hatte meinen ersten K1-Kampf gemacht und verloren nach Punkten. Und jetzt will ich nochmal gegen einen Russen kämpfen. Aber irgendwie wollen Sie nicht.“
Wieso gab es so lange nichts mehr von ihnen zu sehen?
„Ich hätte bereits im Juni gegen einen Franzosen kämpfen sollen, der mich herausgefordert hat. Da habe ich gleich zugesagt. Dann hat er sich an der Hand verletzt und der Kampf fand nicht statt. Jetzt sollten wir eigentlich im September kämpfen und er hat wieder abgesagt. Du bereitest dich für Juni vor und vier Wochen vor dem Kampf sagte er ab. Das ist ärgerlich. Im September wissen wir, dass er einfach keinen Bock hat, gegen mich zu kämpfen. Das ist halt blöd, da kann man nichts machen.
Worin liegen die Gründe, dass man keinen Ersatz findet?
Für mich Gegner zu finden ist schwierig, da keiner irgendwie gegen mich kämpfen will. Hätte ich ein paar Kämpfe mehr verloren, dann würden die Leute sagen o.k, wir kämpfen gegen den Johannes. Solche Veranstaltungen sind auch extrem teuer, und wenn jemand das organisiert, will er natürlich auch, dass der Lokalmatador gewinnt. Und wenn sie mich holen ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie verlieren.
Wie ist grundsätzlich ihr Kontakt zu ihren Gegnern?
Mit dem Franzosen der Weltmeister war und gegen den ich im Rematch gewonnen habe, habe ich immer noch ein gutes Verhältnis. Wir schreiben uns über Facebook. Das ist schon cool. Genauso mit dem Russen gegen den ich verloren habe. Ich habe eigentlich noch mit jedem Kontakt gegen den ich gekämpft habe. Außer gegen den Engländer. Den kann ich nicht leiden, der hat beim Kampf so einen Affen gemacht.

Wir sind schon unter sich, aber du tauscht dich schon untereinander aus. Ich habe jemanden in Köln, ich weiß nicht ob er Araber oder Albaner ist, dem schreibe ich ab und zu und habe mit ihm ein cooles Verhältnis. Es ist zwar Rivalität da, das ist normal, aber jeder macht sein Ding im Sport. Im Ring will man den Anderen vernichten, aber wenn die Runden vorbei sind, ist es vergessen. Ich habe ja noch mit dem Franzosen Hand in Hand getanzt bei der Aftershowparty. So es ist normal, dass ist der Sport. Vor und während des Kampfes sind wir Feinde, aber danach ist alles vorbei.“
Ingolstadt ist inzwischen zum Talentepool guter Kämpfer geworden. Was sagen Sie zum Titelgewinn von Dardan Morina?
„Gegen Andre Staffen ist es unwürdig. Normalweise muss er gegen einen Weltmeister kämpfen oder einen Würdigen. In Deutschland gibt es schon Würdige. Aber nicht der Andre Staffen. Und dass sie um zwei Gürtel gekämpft haben, das ist eh schon sehr problematisch. Das darf nicht sein, dass sie um zwei Gürtel kämpfen!“
Von Dardan Morina weiß ich, dass er einige Glücksbringer hat. Wie sieht es bei Ihnen aus. Haben Sie auch irgendwelche Rieten?
„Ich suche mir zu jedem Kampf eine neue Musik. Mir gibt es keine Rituale. Doch eins! Wer rasiert, der verliert. Eine Woche vor dem Kampf rasiert man sich nicht. Man glaubt zwar nicht dran, das kennt man von seinem Trainer und dessen Trainer. Das ist aber eher spielerisch. Ich glaube aber nicht an Glücksbringer. Ich baue auf mich und vertraue auf meine Stärke. Und ich weiß, was ich kann, und werde das Ding schon Schaukeln.“
Schauen bei den Kämpfen ihre Eltern zu?
„Meine Eltern sind bei den Kämpfen immer dabei. Meine Verwandten sind meistens da aber nicht viele. Da ich durch meinen Sport nur sehr wenig Kontakt zu denen pflege. Ich bin immer unterwegs. Wenn die am Wochenende grillen oder Geburtstag feiern, kann ich nicht dabei sein. Daher ist das Verhältnis nicht so wie bei allen anderen zu ihren Verwandten. Ich investiere meine komplette Zeit in den Sport. Und wenn ich keinen Sport mache, versuche ich diese für mich zu investieren. Ich fahre dann weg mit dem Motorrad und versuche abzuschalten. Ich bin halt ein Einzelgänger.“
Langeweile kommt aber nicht auf. Sie haben sich ja ein ganzes spannendes Hobby gesucht!
Ich habe mir jetzt erst einmal ein älteres Motorrad geholt zum Üben. Ich werde es aber diesen Monat noch verkaufen. Ab nächstes Jahr werde ich mir eine Rennmaschine holen und dann geht es los zum ADAC-Fahrsicherheitstraining. Ich habe auch schon mit einem Kumpel in München gesprochen, dass er mir beibringt, wie ich auf einem Rad fahre. Ich will, wenn ich dies mache, es auch zu hundert Prozent beherrschen. Ich werde es aber auch nicht übertreiben. Das ist meine Vorstellung vom Motorrad fahren. Nicht nur hinsetzen und das schöne Wetter genießen. Einfache Sachen sind nichts für mich!“
Sind Sie als Trainer jemand, der von seinen Schützlingen hundert Prozent Leistung erwartet?
„Ich bin ein sehr kritischer Trainer. Man muss aber unterscheiden zwischen einem Anfänger und einem Fortgeschrittenen. Bei den Anfängern steht der Spaß im Vordergrund. Man korrigiert halt und schimpft auch, aber alles im Spaß. Bei Fortgeschrittenen ist es andersherum. Meine Motivation ist, dass ich eigentlich demotiviere. Diejenigen, die sagen, ich muss mich verbessern, die unterstütze ich. Wenn er dableibt, kann man sich auch die Zeit nehmen und investieren. Wenn ich ihm aber knallhart ins Gesicht sage, es geht so und so und er sagt sich ich schaffe es nie, dann bricht er sowieso ein. Und wenn da einer dableibt, kommt der Erfolg von ganz allein. (ca)
Bilder: von Ahsen/Bösl |