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Locker und fast tiefenentspannt gibt sich Dardan Morina vor dem größten Tag seiner jungen Sportlerlaufbahn. Am Sonntagnachmittag kämpft der 21-jährige Kampfsportler aus Ingolstadt in Merseburg um zwei WM-Gürtel.
Am 28. August findet der große WM-Kampf gegen Andre Staffen statt. Sind Sie schon aufgeregt?„Es geht. Die Aufregung kommt noch. Ich hatte auch eine sehr gute Vorbereitung. Bis jetzt hat alles gut hingehauen. Ich bin gelassen und siegessicher.“
Wie sieht es vom Trainingszustand aus. Sind Sie bei hundert Prozent?
„Heute wird noch mal richtig Gas gegeben und ab morgen fahr ich dann ein bisschen runter. Es ist wichtig das ich am Sonntag topfit bin.
Ihr Aufstieg in der Kickboxszene ist schon beeindruckend. Mit 21 Jahren im siebzehnten Profikampf können Sie bereits Weltmeister werden. Zudem sind Sie bereits 2x Europameister. Hätten man das ihnen zu Beginn der Karriere gesagt, hätten Sie das sicherlich sofort unterschrieben?
„Nee, eigentlich nicht. Es hat alles angefangen mit einem EM-Kampf. Da habe ich die Chance bekommen und Sie genutzt. Ich bin sehr zielstrebig. Wenn ich eine Chance bekomme, dann mache ich dafür alles. Das hat hingehauen und seit dem ging es nur noch aufwärts. Vier Jahre später habe ich die Chance auf den WM-Titel.
Ist es auch ein Grund warum Sie den Spitznamen Mr. Perfect tragen?
„Ja auch. Den Namen habe ich damals von meinem Trainer bei der Europameisterschaft in Ungarn 2008 bekommen, da war ich in mehreren Kategorien angemeldet und habe dort alles abgeräumt, was es abzuräumen gab. Nun ist der Leistungsdruck da dem Namen auch gerecht zu werden. Man muss trotzdem bodenständig bleiben.
Also wird sich ihr Leben auch bei einem Sieg nicht ändern?
„Nein, dann geht es weiter mit dem Training. Weltmeister wäre dann das Größte was kommt aber dann geht das Leben weiter. Dann ich habe noch mehr vor!“
Kommen wir auf den Kampf zu sprechen. Statt Lorant Sachs wartet nun Andre Staffen auf Sie. Ist dies ein Vorteil, da dieser zumindest auf dem Papier der leichtere Gegner zu sein scheint?
„Bei der Klasse auf jeden Fall nicht. Es sind beides Topmänner. Gegen Lorant Sachs habe ich letztes Jahr schon gekämpft und nach Punkten gewonnen. Ab der A-Klasse ist alles eine Liga. Da zählt die mentale Stärke und wie man an dem Tag drauf ist.“
Ist es etwas Besonderes das es um zwei WM-Gürtel geht (IMC [International-Muay-Thai-Coucil] und der WMPF [World Professional Muay Thai Federation])?
„Das ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Zwei Gürtel zu haben wäre schon toll. Mal schauen, wie es kommt. Ich bin da sehr zuversichtlich. Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung und haben mit dem Weltmeister aus Regensburg Alban Ahmeti, trainiert. Der kämpft auch an dem Tag.
Wie wird ihre Taktik im Kampf sein. Von Anfang an auf Attacke?
„Ich weiß ja wie der Staffen kämpft. Ich habe ihn schon des Öfteren beobachtet. Ich werde meine Taktik durchziehen.“
Wie sieht diese aus?
„Ich komme halt aus dem Boxen und werde meine boxerische Stärke ausnutzen. Unter anderem werde ich auch Knie einsetzen. Da ist er nicht so stark. Er ist bei den Kicks sehr gut. Da muss ich aufpassen.
Wird es ein Sieg nach Punkten oder gehen Sie auf K.o?
„Ich rechne mit allem. Das wird die erste Runde entscheiden. Ich muss sehen, wie er drauf ist. Ich bin sehr gut drauf. Ich traue mir momentan alles zu. Das wird ein sehr guter Kampf.“
Die Location ist für Sie ja nichts Neues (2x schon gekämpft). Mit was für einer Atmosphäre rechnen Sie vor Ort?
„Die Atmosphäre ist echt bombastisch. Es bestimmt wieder 5000 Leute da sein. Ich freue mich dort zu kämpfen. Und Eurosport wird es auch aufzeichnen.“
Darf man schon verraten, mit welchem Einlauflied sie auftreten werden?
„Es wird so wie immer sein. Das gleiche Lied. Es ist ein Remix vom Kollegen zusammengestellt. Das ist auch ein wenig Aberglaube immer mit dem gleichen Lied reinzukommen. Wenn es Glück gebracht hat, will man das auch beibehalten.
Sind Kampfsportler wie Sie abergläubisch?
„Ja, klar sind wir abergläubisch. Man ist im Ring immer auf sich alleine gestellt. Da wird man dann auch leicht abergläubisch.
Wie sieht dieser Aberglaube aus?
„Ich fixiere mich eher auf die Klamotten. Ich ziehe meistens dieselbe Hose an und dann noch ein paar Glücksbringer.
Welche sind das?
Es ist ein Blumenkranz aus dem traditionellen Thai-Boxen. Der hat mir damals schon Glück gebracht und seit dem habe ich ihn um.
Bei einem Sieg wären Sie nach Johannes Wolf der zweite Weltmeister im Kampfsport aus Ingolstadt. Was ist der Grund für diese lokale Dominanz?
„Ingolstadt ist auf jeden Fall jetzt eine Hochburg was Kampfsport anbelangt. Thai-Boxen ist aber noch einmal eine andere Sparte und einen Tick härter.“
Thai-Boxen gilt als einer der härtesten Kampfsportarten warum?
„Nach dem traditionellen Thai-Boxen gibt es weltweit wenige.“
Können Sie etwas zu dem Sport sagen. Es werden die wenigsten kennen.
„Es ist die älteste Kampfsportart, die es gibt. In Thailand entwickelt. Dort verteidigte sich das einfache Volk gegen Angreifer. Das Militär wendet es dort immer noch an. Und es hat dort einen Stellenwert wie bei uns Fußball. Es ist ein Volkssport. Allerdings sind die Europäer stärker geworden, da Sie das Boxen besser beherrschen.
Ist das Boxen die Grundlage?
„Wenn man aus dem Boxen kommt, hat man in allen Kampfsportaten Vorteile. Gerade da man in der Nahdistanz die Fäuste sehr gut einsetzen kann. Und viele, die damit nicht klarkommen. Ich habe früher beim BCI vier bis fünf Jahre angefangen und bin dann zum Thaiboxen gegangen.
Warum sind Sie gewechselt?
„Das Boxen wurde mir zu langweilig. Es ging nicht mehr weiter. Da musste was Härteres her.“
Wie groß ist die Gefahr vor schweren Verletzungen?
(lacht)„Da kann schon einiges passieren. Nasenbeinbruch, Hand- und Fußverletzungen. Ich habe dort schon einiges abbekommen. Aber diesmal gehe ohne Verletzungen aus dem Ring raus.“ (ca)
Foto: SC Ingolstadt |