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Auf direktem Aufstiegskurs
Freitag, den 03. Dezember 2010 um 16:02 Uhr


Die Handballdamen des TSV Gaimersheim stehen ungeschlagen an der Spitze der Bezirksliga. Im Interview sprachen wir mit Trainer Richard Söder über Lokalrivalität zur DJK Ingolstadt, Siegesfeiern mit Warsteiner Lemon und mangelnde Trainingsmöglichkeiten.

 

 

Herr Söder, Sie sind als Spieler und Trainer weit herum gekommen, nun trainieren Sie die Gaimersheimer Handballdamen und sind mit diesen in der Bezirksliga souveräner Tabellenführer. Wie sind Sie nach Gaimersheim gekommen?

Als Spieler komme ich vom TV 1861, von da aus bin ich als Trainer bei fast allen Ingolstädter Vereinen gewesen, z.B. mit der A Jugend des  MTV Ingolstadt sind wir in die Bayernliga aufgestiegen.  Beim TSV bin ich erst seit fünf Jahren, zuvor war ich bei der DJK Ingolstadt. Dann wollte ich es etwas langsamer angehen lassen. Gaimersheim hatte damals in der Bezirksklasse weniger Spiele und nur ein Training die Woche, das kam mir entgegen. Ganz mit dem Handball aufhören wollte ich ja auch nicht, dafür macht es mir zu viel Spaß. Wir sind dann aber schnell besser gewonnen und haben jetzt auch einige Neuzugänge gewonnen. Sogar meine Tochter ist ohne mein Zutun zu uns gekommen. Von der DJK sind ebenfalls einige gekommen, von der HG eine sehr gute Torhüterin, aus Eichstätt drei junge talentierte Spielerinnen. Durch diesen regen Zulauf sind wir soweit gekommen, dass wir jetzt um den Aufstieg spielen.

Einmal die Woche Training ist wahrscheinlich Vergangenheit.

Ja, wir trainieren schon lange zweimal, weil wir einfach gemerkt haben, das zu viel an Grundlagen gefehlt hat. Das Problem damals war, dass wir nur eine Halle hatten. Mit der Edeka Ballsporthalle hat sich die Lage verbessert. Im Winter drücken jetzt natürlich die ganzen Fußballer aus Gaimersheim, Krai-berg und Lippertshofen rein, da wird es manchmal schon schwierig. Sollte der Aufstieg wie geplant klappen, würden wir nächstes Jahr Probleme kriegen. Es gibt zwar jetzt die neue Halle im Gymnasium Gaimersheim, aber dafür müssten wir zahlen. Und das nötige Geld muss auch erst irgendwo herkommen.

Der einzige Konkurrent aus der Region ist die DJK Ingolstadt, ansonsten muss man zu den Auswärtsspielen weite Wege auf sich nehmen. Dachau, Landau, Schleißheim sind noch die näheren, es ist aber auch mal Altötting dabei? Kriegt man wenigstens einen Spritkostenzuschlag?
Ja, die Spesen zahlt der Verein schon. Man nimmt diese Zeiten eben auf sich, weil man den Sport liebt. In Bayern ist Handball leider eher ein Stiefkind, ganz anders als z.B. in Baden-Württemberg: Da gibt es fast in jeder Ortschaft einen Handballverein. Wir hoffen natürlich, dass sich die gesamte Situation, auch was Sponsoren betrifft, mit dem eventuellen Aufstieg bessert. Letztes Jahr waren wir am Saisonende dritter, punktgleich mit dem Zweiten. Da haben wir noch etwas Lehrgeld bezahlt. Dafür wollen wir es dieses Jahr unbedingt wissen.

Sind die HG-Ladies das große Vorbild?
Ja sicher, das muss man hoch anerkennen. Wir wollen aber erst mal in die Bezirksoberliga aufsteigen. Die Landesliga ist noch kein Thema. Im Pokal haben wir kürzlich gegen einen Bayernligisten eine 42:16 Niederlage einstecken müssen. Da hat man wieder gesehen, dass das eben doch ein gewaltiger Klassenunterschied ist. Und das ist gar nicht schlecht, damit die Mannschaft nicht abhebt.

Was zeichnet die Gaimersheimer Damen aus?

Der Damenbereich ist im Handball generell nicht so schnell wie der Herrenbereich, wir sind da aber auf einem guten Weg und entwickeln ein recht schnelles Spiel. Da haben wir gegenüber den anderen Mannschaften einen Vorteil, wir überlaufen sie manchmal einfach. Spätestens in den letzten zehn Minuten wenn der Gegner nicht mehr mithalten kann.

Wer sind die Leistungsträger der Mannschaft?
Rebecca Hartmann aus Eichstätt ist eine hervorragende junge Spielerin auf rechts außen, eine Linkshänderin. Leider ist sie wegen ihres Studiums in Bayreuth nicht so oft da. Auf halblinks unsere Rückraumspielerinnen, da habe ich gleich vier gute Spielerinnen. Und Karolin Diesner ist unser Garant im Tor. Top-Torjägerin ist Stefanie Wein, die auf der halbrechten Position für zahlreiche Treffer sorgt und die Torschützenliste anführt. Unsere Säulen in der Abwehr sind Christiane Bergmann und Lisa-Marie Söder, die den Laden hinten dicht machen.
Wie groß ist die Lokalrivalität zur DJK?
Beim Derby waren sehr viele Zuschauer da, aber Konkurrenz gibt es nicht. Wir haben zwar drei ehemalige Spielerinnen von der DJK, die früher mit meiner Tochter zusammen gespielt haben. Aber ich habe davon keine geholt! Ich finde, jeder Verein soll sein eigenes Süppchen kochen. Die Torhüterin von der HG kommt z.B. aus Gaimersheim, die habe ich da hingeschickt, weil sie einfach das Potenzial für die Landesliga hatte.

Wie alt ist die Mannschaft?

Unsere Abteilungsleiterin Christiane Bergmann ist die Seniorchefin, die restlichen Spielerinnen liegen so zwischen 19 und 26. Insgesamt sind wir 20 Leute, deshalb hätten wir diese Saison  gerne zwei Mannschaften gestellt, da hat es aber an den Torhütern gehapert. Wir hätten eigentlich noch zwei Torhüter, doch die lassen sich aus irgendwelchen Gründen nicht mehr sehen. Das ist natürlich Schade für die Spielerinnen, die deswegen auf der Bank sitzen, denen fehlt Spielpraxis. Ich versuche  ihnen im Training und auch in den Spielen ihre Anteile zukommen zu lasssen. Zickereien gibt es bei uns zum Glück nicht. Die Mädels unternehmen auch privat was, das Mannschaftsklima ist intakt.

Für welchen Typ Frau ist Handball der richtige Sport?
Eine gewisse Körpergröße und Körpermasse ist schon von Vorteil. Das ist aber nicht zwingend, wir haben auch viele zierliche Spielerinnen.

Und wie feiern Ihre Mädels die vielen Siege?
Das ein oder andere Warsteiner Lemon oder ein Gläschen Sekt in der Kabine gehört schon dazu.

Wie sieht es um den Herrenbereich aus?
Wir hatten mal eine starke B-Jugend Mannschaft, aber die sind leider fast alle abgewandert, z.B. zum MTV. Im Moment wird versucht wieder eine Gaimersheimer Herrenmannschaft zu bilden. Die Trainer im  Männerbereich haben nicht die Zeit, sich so zu engagieren. Das ist schade, denn vom Talent her ist Gaimersheim schon eine Schmiede. (ek)

 
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