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„Da fiebert ganz Afrika mit“
Freitag, den 20. Januar 2012 um 11:29 Uhr

Das Herz Afrikas schlägt wieder höher. Morgen startet der Afrika Cup. Wir sprachen mit George Mbwando, Ex-Nationalspieler Simbabwes, über den Kult hinter dem Turnier.



Herr Mbwando, in Deutschland ist der Afrika-Cup nur wenig bekannt. Als zweifacher Teilnehmer können Sie uns aber sicherlich verraten, was die Faszination des Turniers ausmacht.

Mbwando: Das ist wie die Europameisterschaft hier. Man spielt nur gegen die besten Teams aus Afrika. Inzwischen kann man alle Spiele live im TV schauen. Die Stimmung ist die gleiche wie in Europa. Es geht halt um die beste Mannschaft in Afrika. Da fiebert ein ganzer Kontinent mit. Hier kriegt man diesen Hype gar nicht mit.

 

Ist die Stimmung in den Stadien anders als in Deutschland?
Mbwando: In Afrika wollen sie nur guten Fußball sehen. Hier ist es die Sportart Nummer 1. Egal, wo man ist, die Fans sind überall fußballverrückt.



Gibt es eine Partie, die Ihnen als Spieler besonders in Erinnerung geblieben ist?
Mbwando: Schon in der Qualifikation zum Cup war es dramatisch. Wir hatten eine  sehr ausgeglichene  Gruppe und sind nur wegen des direkten Vergleichs weitergekommen. Wir wären als bester Zweiter fast schon für das Turnier qualifiziert gewesen. Es ging dort um das Spiel Sierra Leone gegen Nigeria. Wir spielten am Samstag und das andere Spiel war am Sonntag. An diese 24 Stunden kann ich mich noch erinnern. Ganz Simbabwe wollte die Ergebnisse erfahren und weiterkommen. Und als wir uns qualifiziert hatten, feierten die Menschen auf den Straßen. Beim Afrika-Cup hatten wir eine Gruppe mit Algerien, Ägypten und Kamerun. Wir waren das erste Mal bei einer Endrunde und ich hatte das Glück, dass bei den beiden Teilnahmen meines Landes ich beide male dabei war. Wir haben uns aber gut verkauft und ein Spiel gewonnen.



Wie groß ist der Druck bei diesem Turnier auf die Akteure, da ja das ganze Land, ja ein ganzer Kontinent  auf einen schaut?

Mbwando: Du hast Verantwortung. Das ganze Land, 14 Millionen Leute, schaut sich die Spiele an. Da darf man sich keine Fehler erlauben. Man muss von Anfang an und bis zum Schluss konzentriert sein. Eigentlich muss man solche Spiele genießen, aber auf dem Platz ist der Druck zu groß.

Wo steht derzeit der Fußball in Ihrem Heimatland? Es wirkt, als wäre das Land im Umbruch...
Mbwando: Ganz genau. Nach unserer Truppe wurde wenig für die Jugend getan. Erst jetzt werden die U17 und U19 gefördert. Es entwickelt sich gerade eine ganz junge Mannschaft. Unser Kapitän Musona Knowlegde spielt in Hoffenheim. Der ist 22 Jahre alt. Wir haben noch viele Talente in England und Frankreich. Das ist der Neuanfang.


Würde es Sie reizen, die Nationalmannschaft Ihres Landes zu trainieren?
Mbwando: Auf jeden Fall. Nicht nur Simbabwe. Wenn ich genug Zeit habe, werde ich meinen Fußballlehrer machen.


Kann man sagen, Sie sind seit Ihrer Profizeit so etwas wie ein Idol in Simbabwe?
Mbwando: Als ich damals in die Bundesliga gekommen bin, war ich jedermanns Liebling. Jeder kennt mich und ich kenne fast jede Ecke von Simbabwe. Dadurch habe ich die Chance genutzt, Projekte zu unterstützen, um den Menschen zu helfen.


In diesem Jahr sorgte die Qualifikation für das Turnier für einige Überraschungen. Teams wie Südafrika, Kamerun oder Ägypten sind nicht dabei. Ist das die Chance für einen Außenseiter?
Mbwando: Wir reden nur noch über die Namen. In Brasilien kenne ich keinen Spieler mehr. Vielleicht noch Rubinho. Bei der argentinischen Mannschaft  ist es das gleiche. Zum Glück gibt es kaum noch kleine Mannschaften, bei denen man schon vorher sagt, da gewinnen wir 10:0. Es sind andere Zeiten. Das ist gut für den Fußball. Deutschland ist ein gutes Beispiel. Deutschland hatte lange nur Namen und jetzt entwickelt sich dort eine spielstarke Truppe. Das ist die Mannschaft der Zukunft. Sie werden die Nummer 1 der nächsten Jahre. Und auch in Afrika ist gerade ein Wandel im Gang!


Wer ist Ihr persönlicher Favorit für den Titel?
Mbwando: Bei allen großen Turnieren im Fußball ist es doch so, dass sich immer die Erfahrung und Klasse durchsetzt. Die Ausnahme war die EM 2004, als Griechenland überraschte. Es wird wieder einen Kampf zwischen Ghana und der Elfenbeinküste um den Titel geben. (ca)

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 20. Januar 2012 um 23:23 Uhr
 
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