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„Es sollte halt nicht sein!“
Donnerstag, den 19. Januar 2012 um 17:23 Uhr

In unserer Blickpunkt-Reihe Lebenslinien stellen wir diese Woche die unglückliche Fußballkarriere von Denis Dinulovic (ST Kraiberg) vor. Lesen Sie auf Sportzeitung.in schon heute seine Geschichte!

 

Es ist der Traum vieler junger Nachwuchsfußballer – einmal Bundesligaprofi. Gefeiert von Tausenden von Fans, Millionen verdienen und schließlich der Sprung in die Nationalmannschaft. Nicht mal ein Prozent aller Freizeitkicker in Deutschland schafft diesen Schritt. Oftmals ist es nur ein schmaler Grad zwischen Erfolg und Enttäuschung. Denis Dinulovic hat dies selbst erlebt. Dreimal stand der heute 31-Jährige kurz vor der Karriere als Profikicker. „Es sollte halt nicht sein, ich hatte eine schöne Zeit bei meinen Stationen. Das Einzige was schade ist, dass ich nie im Herrenbereich unter Profibedingungen trainieren konnte. So konnte ich nie am Limit arbeiten“, sagt Dinulovic und lächelt, während er einen Kaffee schlürft. Ohne Groll blickt der jetzige Spielertrainer des Kreisligisten ST Kraiberg auf ereignisreiche sechs Jahre zwischen 1997 bis 2003 zurück, als er gleich dreimal an einer Profikarriere vorbei schrammte. Angefangen hat alles beim TV in Ingolstadt. „Wobei, da war es so, dass der Gedanke nicht in die Richtung Profifußball gegangen ist“, räumt er ein. Ab dem Zeitpunkt, als ich zur A-Jugend von 1860 München gekommen bin, ist es schon konkreter geworden.“ Damals kickte er gegen heutige Stars wie Owen Hargreaves, Zvjezdan Misimovic, Alexander Streit oder Steffen Hofmann.

 

Es folgte der erste Karriereknick. Nach dem Abgang von Trainer Hans-Jürgen Gittel, der aus persönlichen Gründen drei Spieltage vor Saisonende aufhörte, stoppte der neue Coach Jürgen Weil den Aufstieg des Nachwuchstalents. Der damalige Kapitän des U19-Teams hatte dort unter dem neuen Trainer keinen leichten Stand und verließ den Verein im Streit. „Ich wurde so ungerecht behandelt von einem Mann, der mich überhaupt nicht kannte. Gerade als Jugendlicher ist das Wahnsinn. Ich wollte dort schon ganz mit dem Fußballspielen aufhören.“ Nach zweimonatiger Fußball-auszeit konnte ihn sein Vater überreden, nicht aufzugeben. „Junge, es wäre doch schade, wenn du nicht weitermachst. Du hast so viel Talent“, habe der Herr Papa damals gesagt. Und tatsächlich: Es folgte ein Karrieresprung.

 

Der Aufstieg und Fall beim FC Augsburg

 


Der damalige Jugendtrainer des FC Augsburg, Heiner Schuhmann, rief den damals 18-Jährigen an und fragte, ob er zum Probetraining bei dem damaligen Drittligisten vorbeischauen wolle. Aus 70 Talenten stach er sofort heraus. „Nach zehn Minuten wurde mir gesagt: Du kannst nach oben gehen, der Liberoposten ist für dich reserviert“, erinnert sich der gebürtige Slowene und ergänzt: „Das war der Startschuss, als man gedacht hat, es kann was werden mit der großen Karriere.“ Das Jahr in Augsburg sei „gigantisch“, gewesen. „Von Null auf 100. Da dachte ich mir: Hoppla, da ist was möglich.“ Nach einem halben Jahr stand Dinulovic, der zu den Top-Nachwuchsleuten des Vereins zählte, sogar auf dem Wunschzettel einiger Bundesligisten wie dem MSV Duisburg oder Borussia Mönchengladbach. Dinulovic entschied sich jedoch, zu bleiben. Doch auch hier sollte wieder ein Trainerwechsel die Profikarriere verhindern. Nach dem Abgang von Coach Gerd Schwickert bei den Profis kam Alfons Higl, der den Youngster nicht mehr in den Profibereich hochziehen wollte. So folgte die Trennung.


Der Nachwuchsmann verlor, auch dank der Unterstützung von Familie und Freunden, nicht die Hoffnung. „Wenn man hart arbeitet, bekommt man auch etwas. Man darf nie aufgeben. Das ist mein Credo!“ Was folgte, war ein Neubeginn beim TSV Rain. Beim Landesligisten fing der lange Weg zurück in den Fußballalltag an. „Ich hatte immer noch den Spaß am Fußball, aber der Weg zurück war schwer“, räumt Dinulovic ein. Nach einem Jahr beim TSV entschied er sich zum Wechsel zurück in die alte Heimat. Die Station MTV Ingolstadt sollte jedoch nur ein kurzes und wenig positives Kapitel in seiner Karriere werden. Beim damaligen Bayernligisten lief vieles nicht wie gewünscht. „Ich bin dort nicht richtig zum Zuge gekommen“, sagt er. „Die Profikarriere war eigentlich schon abgehakt, nachdem ich in der Rückrunde einen Schien- und Wadenbeinbruch hatte.“

 

 

 

Kreuzbandriss stoppt Torjäger

 

Als vieles auf ein Karriereende hindeutete, gab es wieder einen Hoffnungsschimmer. „Mit meiner Rückkehr nach Rain ist alles erst so richtig losgegangen“, erzählt Dinulovic. „In der Herrenmannschaft wechselte ich von der Liberoposition ins offensive Mittelfeld. Das war mein Durchbruch. Dann sind viele Leute wieder auf mich aufmerksam geworden.“ Mit jedem Tor stieg das Interesse an dem jungen Mann. Vor allem der damalige Zweitligist Wacker Burghausen hatte den Offensivmann auf dem Wunschzettel. Doch zur Überraschung vieler, lehnte er das erste Angebot des Klubs ab. „Ich war nie der herausragende Fußballer und hatte damals ein tolles Umfeld dort und wollte nicht weg“, sagt er und gibt zu: „Es war nicht so der Ehrgeiz da, dies aufzugeben.“ Er weiß aber auch: „Wenn ich mich heute entscheiden müsste, würde ich es wohl anders machen.“ Dank einiger Überredungskunst aus dem privaten Umfeld und dem Willen, es noch mal wissen zu wollen, nahm Denis Dinulovic dann doch noch die Chance wahr und unterschrieb einen Vorvertrag. Und wieder deutete alles auf den Sprung in die Profimannschaft unter Rudi Bommer hin. Und dann der nächste Schock.

 

Kurz vor Ende der Saison kam es ausgerechnet zum Duell zwischen Wacker Burghausen II und dem TSV Rain in der Landesliga. Ein Spiel, das er nicht so schnell vergessen sollte. In der Partie riss er sich das linke Kreuzband, als ein Gegenspieler ihm von hinten in die Beine grätschte. Die Folge:   Kein Vertrag und das endgültige Ende eines Traums.  Auch im dritten Anlauf war die mögliche Profikarriere tragisch ausgebremst. Aber der Leidensweg war längst nicht vorbei.  Nachdem er sich wieder in Rain erholt hatte und zu alter Form auflief, trudelten Angebote von Spielerberatern aus dem In- und Ausland ein. Sowohl der einstige Regionalligaklub SC Verl als auch Erstligisten aus Griechenland und Österreich klopften an. Und wieder stoppte eine Verletzung den Profitraum: Mittelfußbruch. Nach insgesamt zehn Jahren in Rain und 170 Toren in 260 Spielen ging Dinulovic nach einer zwischenzeitlichen Station in Pipiensried (Bayernliga) schließlich zurück in die Region – nach Kraiberg. Der Traum von der Profikarriere ist jedenfalls ausgeträumt; zumindest als Spieler.  „Es war mir nicht vorbestimmt und vielleicht fehlte mir am Ende auch der letzte Wille, um es zu schaffen“, sagt er, ringt sich ein Lächeln ab nimmt den letzten Schluck aus der Kaffeetasse. Aber wer weiß, vielleicht schafft es Denis Dinulovic doch noch in den Profifußball – als Trainer.

 

Artikel: von Christian von Ahsen / Bilder: Bösl, Dinulovic privat

 

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 19. Januar 2012 um 17:40 Uhr
 
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